Die 6 Warren Buffett Kriterien für den Aktienkauf – Darauf achtet der größte Investor unserer Zeit

Kennst Du die 6 Warren Buffett Kriterien, mit denen Warren Buffett und Charlie Munger Aktien kaufen? Die Buffett Kriterien habe ich mir nicht selbst ausgedacht, sondern sie stehen in jedem Jahresbericht von Berkshire Hathaway. Hier ein Auszug aus dem letzten Bericht:

Warren Buffett Kriterien für Aktien

Warren Buffett Kriterien für Aktien (Quelle: Berkshire Hathaway Anual Report 2017)

Da Charlie und Warren sehr erfolgreich mit diesen Kriterien fahren, schauen wir uns diese Kriterien nun genauer an und fragen uns, wie sie uns beim Value Investing nützlich sein können.

Warren Buffett Aktien: 6 Kriterien werden angegeben

1.      Große Firmen

Das erste Kaufkriterium ist eine gewisse Unternehmensgröße. In dem Bericht geben die Herren an, dass mindestens 75 Millionen Dollar, als Vorsteuergewinn erzielt werden muss.

Dieser Punkt ist relativ logisch. Berkshire Hathaway ist ein riesen Konglomerat. Das bedeutet, dass diese Firma sehr viel Geld verwaltet und investiert. Deshalb müssen Unternehmen, die für Warren in Frage kommen, eine gewisse Größe haben.

Zu kleine Firmen sind schlicht den Aufwand nicht wert, da ohnehin kein nennenswerter Betrag investiert werden könnte. Deshalb müssen die Unternehmen aus Sicht von Warren Buffett mindestens 75 Millionen Dollar vor Steuern verdienen.

2.      Bewiesene stabile Ertragskraft

Für Warren Buffett scheint die vergangene Entwicklung wichtiger zu sein, als die Prognosen der Analysten oder des Managements. Der Rückspiegel der vergangenen Unternehmensentwicklung ist daher ein Kriterium, das hier klar und öffentlich angegeben wird.

Der Value Investor spekuliert nicht auf Turnarounds (im Sinne der Ertragskraft), sondern kauft nur Firmen, die bewiesen haben, dass sie eine stabile und verlässliche Ertragsentwicklung vorzeigen können.

Dieses Kriterium halte ich für enorm wichtig und ein wichtiges Merkmal von echten Qualitätsaktien.

3.      Gute Eigenkapitalrendite und niedrige Schulden

Warren Buffett gibt für seine Aktien sogar konkrete Kennzahlen an, die er sich anschaut. Das kann man auch als Privatanleger einfach umsetzen. Es handelt sich um die Eigenkapitalrendite und die Verschuldung einer Firma.

Warum sind diese beiden Kennzahlen so wichtig?

Die Eigenkapitalrendite gibt an, wie profitabel ein Unternehmen mit seinem Kapital wirtschaftet. Je höher die Eigenkapitalrendite ist, desto effizienter ist das Unternehmen. Effizientere Unternehmen benötigen weniger Kapital, um zu wachsen und Mehrwerte für ihre Aktionäre zu erwirtschaften. Hohe Eigenkapitalrenditen können deshalb ein Zeichen für Burggräben und/oder exzellentes Management sein.

Doch wie hoch sollte so eine Eigenkapitalrendite eigentlich sein? Darüber sagt Warren Buffett er leider nichts. Allerdings liegen gute Eigenkapitalrenditen (meiner Meinung nach) oberhalb von 15%.

Die Verschuldung ist jedoch ebenfalls enorm wichtig. Denn Buffett ist ein sehr risikoscheuer Anleger. Hohe Schulden können enorme Finanzrisiken bedeuten und die Gewinne von solchen Firmen müssen über viele Jahre in die Tilgung von Schulden gesteckt werden. Deshalb kommen für Buffett nur Aktien in Frage die niedrige bis keine Schulden aufweisen.

Zudem kann die Eigenkapitalrendite künstlich (durch Aufnahme vom Fremdkapital) manipuliert werden. Deshalb gehören diese beiden Kriterien definitiv zusammen.

Doch wie hoch darf die Verschuldung maximal sein? Auch hier gibt er uns keine konkreten Angaben. Es kommt auch auf das Geschäftsmodell der Firma an. Buffett kauft gerne Versicherungen und Banken. Diese haben geschäftsmodellbedingt immer hohe Schulden, weil die Einlagen bei Banken oder die Versicherungsbeiträge in der Bilanz als „Schulden“ geführt werden.

Bei solchen Unternehmen steht diesen Schulden jedoch das eingezahlte Geld gegenüber. Deshalb hilft hier nur eine Fundamentalanalyse und eine Berechnung der Nettoschulden.

Als grober Richtwert hier meine Kriterien aus dem Beitrag zu den wichtigsten Bilanzkennziffern:

Langfristige Schulden < Eigenkapital

Langfristige Schulden / EBIT < 3

Warren Buffett und Charlie Munger (Quelle: Nelson Ching | Bloomberg | Getty Images)

4.      Management in Place

Egal wie großartig ein Geschäftsmodell oder Produkt ist. Ein schlechtes Management kann dazu führen, dass die Aktionäre davon nicht profitieren. Außerdem sind schlechte Manager in der Lage Firmen in die Pleite zu stürzen oder Aktionärswerte zu vernichten. Gute Beispiele für katastrophales Management sind General Electric, Deutsche Bank oder Volkswagen. Hier sind die massiven Kurseinstürze auf schlechtes Management zurückzuführen.

Berkshire Hathaway kauft Unternehmensbeteiligungen, bei denen sie sich nicht in das Management einmischen müssen. Deshalb wollen sie darauf achten, dass bereits gute Manager in der Firma aktiv sind.

Leider können wir mit den Managern (anders als Buffett) keinen Kaffee trinken gehen oder unsere Beziehungen spielen lassen, um mehr Information zu erhalten. Hier trotzdem ein paar Eigenschaften von guten Managern:

  • Motiviert und aktionärsfreundlich
  • Selbst mit hohen Beträgen im Unternehmen investiert
  • In keine Gerichtsverfahren oder Skandale verstrickt
  • Solide Finanzverwaltung (Liquidität und Rentabilität)
  • Gehälter sind an Kapitalrenditen oder Steigerung des Shareholder Value geknüpft

5.      Simple Business

Kaufe nur, was Du verstehst. Klingt komisch, ist aber so! Egal ob man Häuser als Investment kaufen möchte, Unternehmensbeteiligungen oder sonstige Dinge als Investment in Betracht zieht. Wenn man nicht versteht, was man kauft, dann wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit über den Tisch gezogen.

Buffett investiert nur in Unternehmen, die er versteht. In der Regel sind das Konsumgutunternehmen (Apple, Kraft-Heinz, Coca-Cola) oder Unternehmen in der Finanzbranche (Moody’s, Bank of America, American Express, Wells Fargo). In diesen Segmenten fühlt er sich wohl und versteht, wie die Firmen arbeiten und wirtschaftlich funktionieren.

Was für Warren Buffett funktioniert, muss nicht zwingend auch für uns funktionieren. Meine Spezialität sind Franchise Ketten, Technologie und Konsumgüter. Was für Dich passen könnte, solltest Du Dir einmal in Ruhe überlegen.

6.      Ein Kaufpreis ist verfügbar

Bei diesem Punkt geht es nicht primär um einen günstigen Kaufpreis, sondern darum, dass ein Preis überhaupt vorhanden ist. Warren und Charlie wollen nach eigener Aussage ihre Zeit nicht verschwenden und erst mit den Besitzern zu sprechen, wenn es überhaupt keinen Kaufpreis gibt und dieser erst ausgehandelt werden muss.

Deshalb kaufen die beiden Herren primär börsennotierte Unternehmen, wo jeden Tag konkrete Kaufpreise öffentlich und transparent sind. Hier kann man gemütlich darauf warten, dass sich attraktive Chancen ergeben und dann zugreifen.

Ob eine Aktie günstig genug ist oder nicht, leiten die beiden Herren anhand ihrer Definition des inneren Wertes einer Aktie ab. Hierzu überlegen sie sich, welchen Wert die gesamte Firma für einen Investor haben dürfte und teilen diesen Wert durch die Anzahl der Aktien.

Fazit – Qualität vor Preis

Wir haben gesehen, dass der Kaufpreis nur eine von 6 Warren Buffett Kriterien ist. Einer meiner Anfängerfehler bestand darin, nach günstigen Aktien zu suchen. Heute weiß ich, dass es viel wichtiger ist Qualitätsaktien zu finden und dann einfach auf günstige Kaufpreise zu warten.

Nicht alle Kriterien müssen auch für uns passen. Beispielsweise haben Buffett und Munger riesige Summen zu verwalten und müssen daher auf große Unternehmen setzen. Wir können jedoch auch kleinere Firmen kaufen und so vielleicht sogar den Markt schlagen.

Von den 6 Warren Buffett Kriterien finde ich vor allem Nummer 2 bis 5 enorm wichtig und vor allem leicht zu befolgen. Hier nochmal zur Erinnerung:

  1. Große Unternehmen
  2. Stabile Ertragskraft
  3. Hohe Rentabilität bei gleichzeitig niedrigen Schulden
  4. Gutes Management
  5. Verständliches Geschäftsmodell (subjektiv)
  6. Transparenter (und günstiger) Kaufpreis

Diese Kriterien sind natürlich auch Bestandteil des Value Investing Videokurses:

Nutzt Du diese oder ähnliche Kriterien? Schreib es doch gerne mal in die Kommentare!

Liebe Grüße und viel Erfolg

Value Investing Christian Bauduin

 

2 Comments
  1. Masteraroro 5 Monaten ago

    Doch wie geht Buffett bei seiner Aktienauswahl vor? Was genau verbirgt sich hinter dem „Buffett-Stil“? In seinen seltenen offentlichen Kommentaren und in seinen viel beachteten Briefen an die Berkshire-Aktionare klingen Buffetts Ratschlage sehr simpel: Er sagt, dass er Aktien kaufe, die „zu einem vernunftigen Preis zu haben sind“. In Wahrheit verwendet Buffett ausgeklugelte Auswahlverfahren, um zu ermitteln, welche Unternehmen in sein Portfolio aufgenommen werden.

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2018 Christian Bauduin

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